Arnulf Rainer & Hermann Nitsch
24.10.2026 - 03.10.2027Arnulf Rainer (1929-2025) und Hermann Nitsch (1938-2022) zählen zu den bedeutendsten Künstlern Österreichs nach 1945. Obwohl sie unterschiedliche Wege beschritten, verbindet sie die radikale Erweiterung des Kunstbegriffs: Nicht nur das vollendete Werk steht im Mittelpunkt, sondern auch der künstlerische Prozess und die Frage, was ein Bild überhaupt ist.
Arnulf Rainer gilt als Wegbereiter der informellen Malerei in Österreich. Mit seinen seit den 1950er-Jahren entwickelten Übermalungen erneuerte er die Malerei grundlegend und erlangte weltweit Anerkennung.
Hermann Nitsch war Mitbegründer des Wiener Aktionismus und schuf mit dem Orgien-Mysterien Theater eines der bedeutendsten Gesamtkunstwerke der Nachkriegszeit. Als Aktionist, Maler, Komponist und Bühnenbildner verband er Malerei, Musik, Performance und Ritual zu einer Kunstform, die alle Sinne einbezieht.
Malerei als Prozess
Die Ausstellung beleuchtet Themen und Motive, denen sich diese beiden Ausnahmekünstler unterschiedlich widmeten. Dazu zählen etwa das Kreuz als Metapher für den künstlerischen Schaffensprozess, das Verhältnis von Proportion und Farbe in der Malerie sowie die Fotografie als künstlerisches Ausdrucksmittel.
Rainer entwickelte aus der Übermalung eine prozesshafte Malerei, die sich über Jahre hinweg und über unterschiedliche Bildträger entfaltete – von Gemälden über Fotografien bis hin zu Büchern. Hand- und Fingerabdrücke, Kreuzformen und fotografische Selbstporträts machen den Körper des Künstlers selbst zum Teil des Bildgeschehens.
Schloss Prinzendorf als Ort der Begegnung
Schloss Prinzendorf in Niederösterreich war die langjährige Wirkungsstätte Nitschs – ein Ort, den der Künstler sowohl real als auch symbolisch zum Organismus machte. In seinem druckgrafischen Mappenwerk „Die Architektur des Orgien Mysterien Theaters“ verbindet Nitsch Architekturelemente mit Formen des menschlichen Körpers sowie Finger- und Handabdrücken. Auch Rainer hatte eine Verbindung zu Prinzendorf: Hier entstand sein Monumentalgemälde „Selbstbegräbnis oder Christusleid, Christusfreud?“.
Erste gemeinsame Ausstellung
Die Ausstellung zeigt Rainer und Nitsch nicht als aufeinanderfolgende Kapitel der österreichischen Kunstgeschichte, sondern als zwei gleichzeitig pulsierende Positionen. Im Dialog ihrer Werke wird Gemeinsames sichtbar: Prozess und Transformation, Körper und Spur, Kreuz und Wunde sowie die Verschiebung von Kunst vom Objekt hin zur Erfahrung. Erstmals widmet sich eine Ausstellung ausschließlich diesen beiden herausragenden Künstlerpersönlichkeiten in einer gemeinsamen Schau.
Kuratoren: Nikolaus Kratzer, Helmut Zambo
TIPP: Im nitsch museum in Mistelbach bietet sich die Möglichkeit, in das vielschichtige Werk Hermann Nitschs einzutauchen.